Freiwillige Feuerwehr Melsungen
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Freiwillige Feuerwehr Melsungen
- Kernstadt -

Chronik

  1. Die Katastrophen
  2. Die Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt
  3. Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
  4. Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg
  5. Die Zeit während der Nazi-Diktatur
  6. Die 50er und 60er Jahre
  7. Die 70er Jahre neue Aufgaben
  8. Die Melsunger Feuerwehr im Jubiläumsjahr 1998
  9. Der neue Feuerwehrstützpunkt

Die Katastrophen

Regenschauer prasseln auf die Dächer und Straßen der Stadt. Der Wind hatte sich im Laufe des Abends zu einem kräftigen Sturm entwickelt. Die Bewohner von Melsungen haben sich am Abend des 9. Dezember 1872 in die schützenden Wohnungen zurückgezogen. Fröhlich sitzen im Hause des Wagners images/kernstadt/chronik/chronik01.jpg
Bei dem Brand 1872 wurden 40 Gebäude zwischen Rosengasse
und Rotenburger Straße zerstört.
Fischer in der Rosengasse mehrere junge Leute zusammen, um zu feiern. Gegen 23 Uhr lockt sie das laute Rufen des Bauern Heinrich Löwe an die Fenster: Feuer! Feuer!" Auf die Frage, wo es brenne, rief er durch den sturmgepeitschten Regen: "Bei euch im Haus." Das für die Bewohner der Stadt verhängnisvolle Geschehen nimmt seinen Lauf. Rauch und Flammen schlagen aus dem obersten Stock des Fachwerkgebäudes. In dem dort gelagerten Flachsstroh finden die Flammen ihre Nahrung. Der Feuerruf riss auch die anderen Bewohner der Gasse aus ihren Betten. Kurz darauf hallt das Läuten der Sturmglocke über die Dächer, Feuersignale schallen durch die Straßen. Immer kräftiger facht der Sturm das Feuer an, treibt die Flammen und Funken über die Dächer in die offenen Bodenluken der Nachbarhäuser, in die Strohgefüllten Dachböden. Als die Feuerlösch- und Rettungsanstalt am Brandort ankommt, steht sie den Flammen bereits machtlos gegenüber. Nicht nur das Haus, in dem der Brand ausgebrochen ist, auch mehrere Nachbarhäuser stehen bereits in Flammen. Vom Sturm getrieben jagen diese weiter, von Haus zu Haus, hin zur Rotenburger Straße. Die Feuerwehrleute bringen Wasser heran. Zunächst von den Kumps (Brunnen) am Rathaus und der Stadtkirche. Als diese leer sind, holt man es mit Fässern von der Fulda. Doch alles Löschen hilft nichts. Um wenigstens die Häuser an der Fritzlarer Straße vor dem Raub der Flammen zu retten, reißt man deren Hintergebäude nieder. Hell erleuchtet ist die Winternacht vom Feuerschein. Die Bilanz dieser Schreckensnacht: 15 Wohnhäuser sowie 25 Scheunen und Nebengebäude sind beim Brand zerstört worden. 164 Menschen aus 39 Familien wurden über Nacht obdachlos. Tief beeindruckt von dem Vernichtungswerk der Flammen schrieb der an der Brandstelle das Geschehen beobachtende Landrat daraufhin an den Melsunger Bürgermeister:

ps 15./2.73 Nr. 137 0.R. Melsungen, am 4. Februar 1873
Die letzte Feuersbrunst hat die von mir schon früher betonte Notwendigkeit dargethan, das Feuerlöschwesen anderweitig zu organisieren. Ew. Wohlgeboren stelle ich ergebens anheim, geeignete Vorschläge nach Benehmen mit dem Stadtrath zu machen.
Der königliche Landrat Frh. von Richthofen

Melsungens Bürgermeister Baumann antwortete dem Landrat am 24. Februar 1873:
Die verehrliche Zuschrift... zu folgen, berichte ich ... gehorsamst, daß die hier bestehende Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt sich seit längeren Jahren und auch bei der letzten Feuersbrunst als zweckmäßig bewährt hat und über jene Bemängelung erhaben sein würde, wenn man es dahin bringen könnte, daß jeder zu derselben verordnete Mann an dem ihm zugewiesenen Posten seine Schuldigkeit täte.
Der Bürgermeister Baumann

Binnen Jahresfrist sollten die Grenzen der Leistungsfähigkeit der 1831 gegründeten Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt erneut offenkundig werden. Am 15. Oktober 1873 brach in der Nähe des Marktplatzes erneut ein Großbrand aus. An der Ecke Kasseler Straße/Kirchgasse brennen 16 Wohnhäuser und 13 Scheunen nieder. 46 Familien hatten ihr Hab und Gut verloren. Die beiden Feuerkatastrophen binnen Jahresfrist hatten für damalige Verhältnisse enorme volkswirtschaftliche Schäden angerichtet. Auf die heutigen Verhältnisse übertragen sind Wohnbebauung, Wirtschaftsgebäude und Einrichtungen im Wert von etwa 17,5 Millionen Euro vernichtet worden.
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Die Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt

Bereits im Jahr 1831 gründete die Stadt eine "Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt". Eine Satzung regelte den Einsatz der Bevölkerung im Falle eines Brandes. Auch technisch wurde für den Ernstfall vorgesorgt. So gar eine Wasserzubringerspritze mit entsprechenden Schläuchen wurde gekauft. Diese ersetzte die allenthalben bekannte Eimerkette von den Brunnen zur Brandstelle. Für die damals etwa 3800 Einwohner zählende images/kernstadt/chronik/chronik02.jpg
Gruppenbild der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen am
Landgrafenschloss. Datiert im Jahr 1898.
Stadt war dies ein außergewöhnlicher Ausrüstungsgegenstand. Im Jahr 1867 bezog die Feuerwehr ein Spritzenhaus in der Eulenturmstraße. Laut einer auf den 8. März 1862 datierten Aufstellung hielt man sieben Spritzen mit 190 Mann zum Pumpen (abwechseln in mehreren Schichten) und 68 Mann zum Führen der Schläuche vor. Je Pumpe gab es einen Kommandanten und einen Schlauchmeister. Es gab eine Rettungskommission mit 29 Mann, die vor dem Haus halfen, die geretteten Gegenstände in Empfang zu nehmen und eine zweite Rettungskommission mit 15 Mann, denen die Aufgabe oblag, die geretteten Sachen an images/kernstadt/chronik/chronik03.jpg
Alt und Neu 1957 Das erste städtische Feuerwehrfahrzeug links
und das LF 8 des LSHD aus den Kriegsjahren stellten bis 1967
in Melsungen den Fahrzeugpark.
einen sicheren Platz zu bringen und zu bewachen. Des Weiteren gab es 34 Mann zur Bedienung der Feuerhaken und Leitern. Abteilung VIII hatte mit jedem beim Brand untätigen Bürger beim Wasserzubringen zu helfen. Die Abteilung IX bezeichnete die Einwohner, die Wasser fahren mussten und die Abteilung X gab die Pferdebesitzer an, die als Feuermelder nachbarliche Hilfe aus den umliegenden Orten herbeirufen mussten. Die Spritzen II bis Va waren fahrbare Abprotzspritzen, die von vier Mann an Ort und Stelle gezogen werden konnten. Spritze Nr. I, mit Pferden bespannt, diente auch als Löschhilfe bei auswärtigen Bränden. Wenn man das Personalverzeichnis in den städtischen Akten durchsieht, dann lässt sich feststellen, dass jeder männliche Einwohner der Stadt im Alter von 18 bis 60 Jahren zu irgendeiner der vielen Funktionen innerhalb der Feuer- Lösch- und Rettungsanstalt eingeteilt worden ist. Doch im Ernstfall musste festgestellt werden wie ja auch der Bürgermeister nach dem Großbrand 1872 an den Landrat vermerkte dass doch viele Bürger ihrer Pflicht zum Dienst in der Feuerlösch- und Rettungsanstalt nicht nachkamen.
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Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

Die beiden Großbrände im Laufe eines Jahres sorgten für starke Erregung bei der Melsunger Bevölkerung. Man war mit der Organisation des Brandschutzes, die sich auf dem Papier so schön ausnahm, unzufrieden. Denn in der Praxis hatte diese versagt die Menschen hatten versagt. In der Ausgabe vom 29. November 1873 des Melsunger images/kernstadt/chronik/chronik04.jpg
Aufruf zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.
Wochenblattes findet sich ein Aufruf der jugendlichen Bürger zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Ihr Aufruf war ein Erfolg, denn der Saal im heutigen Lutherhaus war rappelvoll. 145 Männer trugen sich in die Mitgliederliste ein. Die alte Feuer- Lösch- und images/kernstadt/chronik/chronik05.jpg
Einige der Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen.
Aufgenommen im November 1925.
Rettungsanstalt ließ man als Pflichtfeuerwehr bestehen. Der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr stellte die Stadt das vorhandene Löschgerät zur Verfügung. Um die Ausrüstung zu vervollständigen, bedurfte es jedoch noch erheblicher Investitionen. Die Wehr warb deshalb 76 Bewohner als passive Mitglieder. Mit dem Aufkommen aus deren Monatsbeiträgen in Höhe von zwei Silbergroschen, sollten Geräte gekauft werden. Auch die Turngemeinde und mehrere Feuerversicherungsanstalten gaben Spenden. Wert legte man auf einheitliche Kleidung, die die Helfer zudem vor den Gefahren an einer Brandstelle schützen sollten. Man entschied sich für einen langen weißen Kittel, Helm, Koppel und eine Mütze. Geübt wurde jeweils am Sonntagmorgen von 7 bis 9 Uhr, bevor die Glocken zum Kirchgang riefen.
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Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1898 zählte die Hilfsorganisation 125 aktive und 80 passive Mitglieder. Um den Flammen entschlossen entgegentreten zu können, verfügte man über eine kräftige Abprotzspritze eine lange zweiteilige Feuerleiter, einen Rettungssack, mit dem Sachen in Sicherheit gebracht werden konnten. Zudem befanden sich im Gerätehaus der Wehr zwei Einreißhaken mit Wurfleine, sechs Hakenleitern, zwei kleinere, tragbare images/kernstadt/chronik/chronik06.jpg
Der Leiterzug der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1920 in der
Kasseler Straße vor dem Schloß (links).
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Einsatzübung in der Vorstadt, der heutigen Carl-Braun-Straße, im Jahr 1941.

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Die Hakenleitermannschaft, vermutlich bei der Übung in der Vorstadt
Leitern, eine Schlauchhaspel mit Winde sowie eine große bewegliche, zweiteilige, images/kernstadt/chronik/chronik09.jpg
Mit dem Tragkraftspritzenanhänger üben 1940 (v. 1.): Gastwirt
Schade aus der Haspel, Stadtbaumwärter Rode und
Adam Ackermann.
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Am Bahnviadukt in der Vorstadt brennt 1940 ein Bus. Die Feuerwehr setzte
einen Tragkraftspritzenanhänger am Kehrenbach ein.
freistehende Nürnberger Rettungsleiter. Und auch eine Art Atemschutzgerät gab es damals schon: einen Rauchapparat. Bei 31 Bränden innerhalb der Stadtmauern und bei 14 in benachbarten Orten hatten die freiwilligen Feuerwehrleute seit der Gründung ihrer Wehr gelöscht. Im Jahr 1888 legte ein Brand drei Häuser in der Kasseler Straße in Schutt und Asche. Ein weiterer Großbrand vernichtete 1895 fünf Häuser in der Strohgasse. Doch dank der Existenz der Freiwilligen Feuerwehr, ihrer Ausrüstung und stetigen Übung, konnten Brandunglücke wie in den Jahren 1872/73 vermieden werden. Schwierig bei Bränden in dieser Zeit war die Förderung des Löschwassers zur Brandstelle. Zwar hatte man seit den Feuersbrünsten im Gründungsjahr bessere Pumpen angeschafft, doch ein Problem blieb bestehen: Wasser gab es nur aus der Fulda oder aus den Kumps am Rathaus und der Kirche. Von hier aus musste es in Fässern oder per Schlauchleitung mühsam zur Einsatzstelle transportiert werden. Eine wesentliche Erleichterung brachte der Bau einer Hochdruckquellwasserleitung. Am 30. November 1901 wurde diese in Betrieb genommen. Der Hydrantenzug der Freiwilligen Feuerwehr demonstrierte den Bürgern, wie die neue Anlage funktionierte. Mit zehn Atmosphären Druck drang das Wasser aus den in den Straßen verlegten Leitungen. Die Menschen kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Konnte die Feuerwehr doch nun von der Straße bis auf die Dächer der Häuser spritzen ganz ohne Leitern. Eine Verbesserung des "abwehrenden Brandschutzes", wie es heute heißen würde. Der "vorbeugende Brandschutz", also Maßnahmen zur Vermeidung von Bränden, wurde in Melsungen sechs Jahre später revolutioniert. Elektrische Licht- und Kraftanlagen wurden installiert. Da in den Häusern nun wesentlich weniger mit offenen Flammen hantiert wurde, reduzierte sich auch die Zahl der Gefahrenquellen. Auch vor der Feuerwehr machte der Lauf der Zeit keinen Halt. Im Jahr 1905 wurde eine Sanitätskolonne ins Leben gerufen. Sanitätsrat Dr. Kahl übernahm die Leitung und Ausbildung dieser, der Feuerwehr angegliederten Einheit. Im Jahr 1909 hatte die Stadt einen Steigerturm für die Feuerwehr bauen lassen. Dieser stand zunächst auf der so genannten Gänseweide (in der Fritzlarer Straße). Nach dem Krieg wurde er neben dem städtischen Schlachthaus wieder aufgebaut. Ihre erste Motorspritze erhielt die Feuerwehr am 10. Januar 1926. Gekauft hatte sie der Landkreis. Fortan waren nicht einmal mehr Dutzend Männer nötig, um in wechselnden Schichten die großen Handpumpen zu bedienen. Diese anstrengende Arbeit leistete nun eine Verbrennungsmaschine. In die Zeit der Weimarer Republik fällt auch das Gründungsdatum des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen. Erstmals aufgetreten sind die Musiker während der Jahreshauptversammlung im Januar 1931. Noch ist die politische Atmosphäre so liberal, dass jüdische Bürger der Stadt in der Feuerwehr Mitglied sein dürfen. Am 12. August 1921 meldet sich Juda Levi als passives Mitglied beim Kommando der Wehr an. Doch die Zeiten sollten sich bald ändern.
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Die Zeit während der Nazi-Diktatur

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Während des Zweiten Weltkrieges müssen Frauen den
Brandschutz in Melsungen sicherstellen, hier am Hydranten-
wagen. Marktplatz Ecke Mühlenstraße

Im Jahr 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler. In der Folge schalteten die Nationalsozialisten das gesamte öffentliche Leben in Deutschland gleich gleichgeschaltet mit ihrer politischen Ideologie. Das waren Veränderungen, die auch an den Feuerwehren nicht spurlos vorübergingen. Waren und sind sie doch ein bedeutendes gesellschaftliches Element in der kommunalen Gemeinschaft. Mit Wirkung vom 15. Dezember 1933 erließen die Nationalsozialisten ein Gesetz zur Umorganisation des Feuerwehrwesens. Eine Konsequenz daraus: 1934 musste die Sanitätskolonne aus dem Verbund mit der Feuerwehr ausscheiden. Für alle Wehren wurden verbindliche Einheitssatzungen erlassen (Gleichschaltung!) Vorgeschrieben wurde auch, dass die Feuerwehren in einem Bereich mit einem 7,5 km Radius unentgeltlich zur Löschhilfe verpflichtet waren. Eine Regelung, deren Erlass im Hinblick auf die Kriegsereignisse ab 1939 in einem besonderen Lichte stand. Doch zuvor wurden spezielle Lehrkurse zur images/kernstadt/chronik/chronik12.jpg
Eine Gruppe der Hitlerjugend wird der Feuerwehr zugewiesen und
kommt auch nach Luftangriffen auf Kassel zum Einsatz.
Ausbildung der Feuerwehrleute eingerichtet. Eine zweite Motorspritze kauften sich die Melsunger Feuerwehrleute im Jahr 1935. 1939 das Jahr des Kriegsbeginns: Für die Melsunger Feuerwehr bedeutete dies zunächst keine große Veränderung. Waren die Fronten, die Kriegsschauplätze doch weit entfernt. Dies änderte sich jedoch mit Beginn der 40er Jahre durch die Luftangriffe der Alliierten. images/kernstadt/chronik/chronik13.jpg
Einsatzübung der Frauenfeuerwehr am Melsunger
Rathaus, in den Kriegsjahren.
Zu über 40 Einsätzen durch Kriegseinwirkungen wurden die Melsunger Feuerwehrleute angefordert. Helfen mussten sie etwa, als in Malsfeld neun Wagen eines Güterzuges von einer Brücke stürzten. Großalarm herrschte, als der Ort Grebenau nach einem Bombenangriff brannte. Allein 30mal mussten die Feuerwehrleute der Bartenwetzerstadt nach Kassel eilen, um dortigen Feuerwehren zu helfen. Die Reichsregierung hatte für die Feuerwehren Löschfahrzeuge beschafft, um den Luftschutz sicherzustellen (Luftschutzhilfsdienst). So kam die Melsunger Wehr zu ihrem ersten Löschfahrzeug. Da viele Männer zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen worden waren, mussten nun die Frauen der Stadt an die Spritzen. images/kernstadt/chronik/chronik14.jpg
In den 40er Jahren erhält die Feuerwehr ihr erstes Löschfahrzeug,
hier bei einer Übung am Rathaus, Anfang der 50er Jahre.
Unterstützt wurden sie von einer Gruppe der Hitlerjugend. Auch an der Bartenwetzerstadt ging der Krieg nicht unbesehen vorüber. Am Ostersonnabend, dem 31. März 1945 brach durch den Beschuss mit Artillerie an sechs Stellen in der Stadt Feuer aus. Nach Kriegsende widerfuhr der Freiwilligen Feuerwehr das gleiche Schicksal wie allen öffentlichen Organisationen. Von der amerikanischen Besatzungsmacht wurden strikte Reglementierungen erlassen. Die Melsunger Feuerwehr verlor in den ersten Tagen der Besatzung einen großen Teil ihrer Ausrüstung.
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Die 50er und 60er Jahre

Nach dem Krieg wurde die Freiwillige Feuerwehr neu organisiert. Es bestanden nun (1955) zwei Züge, die wiederum in je zwei Gruppen untergliedert waren. Daneben gab es den Spielmannszug und eine Altersriege. Im Jahr 1950 beschloss die Feuerwehrkompanie, die Sanitätskolonne wieder in die images/kernstadt/chronik/chronik21.jpg
Die Hakenleitermannschaft vor dem Schlauchtrockenturm in
der Sandstraße vermutlich im Jahr 1953.

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Zwei Generationen Feuerwehrtechnik: Eine alte Handdruckspritze
aus der Gründerzeit der Feuerwehr und ein Löschgruppenfahrzeug
das zweite, das die Melsunger Feuerwehr erhalten hat vor dem
Feuerwehrhaus Am Sand im Jahr 1963. Dieses Auto wurde den
Feuerwehr Veteranen Röhrenfurth überlassen.
Feuerwehr zu integrieren. Die Sanitätskolonne hatte die Pflicht, "bei Feueralarm ein bis zwei Mann zu stellen". Die Zahl der Einsätze nimmt sich im Vergleich zu den heutigen wenig aus: images/kernstadt/chronik/chronik15.jpg
Vorführung des Pulverlösch-Anhängers bei einer Übung am
Rathaus (Eingang Ratskeller) im Jahr 1963.
Zwei Großbrände (Katzmühle im Schwarzenberger Weg und Sägewerk Müller) sowie sieben Kleinbrände galt es zu bekämpfen. Aber auch technische Hilfe-leistungen wohl nicht im heutigen Sinne mussten bewältigt werden: Im Juni 1951 sollte die Feuerwehr anlässlich der Landwirtschaftsschau das Wasser zum Tränken der Tiere heranschaffen. Geplant wurde der Bau eines neuen Feuerwehrhauses. Von der Stadt war als Standort zunächst ein Gelände am Hessenwinkel, neben dem jüdischen Friedhof, ins Auge gefasst worden. Ein Jahr später tauchte die Idee auf, das neue Feuerwehrhaus am linken Flügel des Landgrafenschlosses anzubauen. Gebaut wurde schließlich Am Sand. 1953 wurde der Schlauchtrockenturm als erster Teil fertig gestellt. 1957 konnte die Wehr von ihrem Feuerwehrhaus in der Fritzlarer images/kernstadt/chronik/chronik17.jpg
Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen vor dem Casino (Stadthalle) im
Jahr 1963.
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Seit Anfang der 70er Jahre wuchsen die Aufgaben der Feuerwehr. Zur
Brandbekämpfung kamen technische Hilfe bei Verkehrsunfällen und Gefahrgut-
einsätzen hinzu. Um die Bürger effektiv schützen zu können, wurden moderne
Fahrzeuge in Dienst gestellt.
Straße (1867 gebaut) gänzlich an den Sand umsiedeln. Die Sanitätskolonne, nach dem Krieg wieder in die Feuerwehr integriert, erklärte 1953 ihren Austritt aus der Feuerwehr. Danach hatte die Melsunger Feuerwehr 60 aktive Mitglieder. Die technische Ausrüstung bestand aus einem Löschgruppenfahrzeug LF 8, zwei Motorspritzen, einem Rettungswagen mit Leiter, zwei mechanischen Leitern, einer Hand- Saug- Druckspritze und drei Schlauchwagen, die von Hand gezogen werden mussten. Doch die Freiwillige Feuerwehr war nicht die einzige Feuerwehr in der Bartenwetzerstadt. So gab es damals die Betriebsfeuerwehren bei B. Braun, der Firma Salzmann (Weberei) und Müller (Sägewerk). Daneben bestand auch noch die kommunale Pflichtfeuerwehr, der alle 18 bis 57jährigen Männer angehörten, wenn sie nicht Mitglied der Freiwilligen Wehr waren. Von den einst so zahlreich in der Freiwilligen Feuerwehr engagierten Bürgern konnte 1957 keine Rede mehr sein. Ortsbrandmeister Adam Ackermann beklagte, dass von den über 8000 Einwohnern der Bartenwetzerstadt nur 70 in der Feuerwehr engagiert seien, 1873 waren es 50 bei 2500 Einwohnern. Er forderte, dass alle Männer, die nicht in der Feuerwehr ihren Dienst versahen, eine Brandschutzsteuer zahlen müssten. Eine Forderung, die laut Bürgermeister Dannenberg zwar aus Sicht der Feuerwehr verständlich, von der Verwaltung aber nicht gewünscht sei. Ein Jahr zuvor diskutierte man in den Reihen der Feuerwehr bereits darüber, jugendliche unter 18 Jahren aufzunehmen, um sich nicht das Wasser, sprich den Nachwuchs, von anderen Vereinen abgraben zu lassen. Realität wurde dies aber erst 1970, nachdem man sich 1969 auf die Gründung einer Jugendfeuerwehr als Nachwuchsorganisation geeinigt hatte. 1958 erhielt die Feuerwehr ein zweites Löschfahrzeug LF 8. Dieses sollte mit eingeschaltetem Martinshorn durch die Straßen fahren und die Feuerwehrleute alarmieren, wenn bei Ausfall des unsicheren Gleichstromnetzes die Sirene nicht funktionierte. Probleme bereitete damals schon die Verkehrssituation. In den Reihen der Feuerwehr war negativ aufgefallen, dass die Feuerwehr im Einsatzfall oft von Kindern auf der Straße behindert wurde. Die Eltern sollten deshalb informiert werden "ihre Kinder anzuhalten, bei ertönen des Alarmhornes nicht zu Fuß oder mit den Rädern auf der Straße im Wege zu stehen". Inzwischen verfügte man auch über drei Atemschutzgeräte. Zwei waren nach einem Brand in Albshausen gekauft worden, bei dem zwei Kinder im Rauch umgekommen waren. Das bereits vorhandene, aber defekte Atemschutzgerät wurde aus diesem Anlass zur Feuerwehrschule geschickt, um es dort reparieren zu lassen. im Jahr 1967 wurde das aus Kriegszeiten stammende Löschgruppenfahrzeug durch ein neues Fahrzeug ersetzt.
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Die 70er Jahre neue Aufgaben

Die 70er Jahre bedeuteten für die Melsunger Feuerwehr eine Zeit des Wandels. Zum einen veränderte sich die Art der Einsätze. Immer häufiger mussten die Retter technische Hilfe leisten: Etwa bei Verkehrsunfällen in ihren Fahrzeugen eingeklemmte Autofahrer aus den Unfallwracks befreien oder Umweltschäden durch auslaufende Chemikalien verhindern. Dies ist eine Folge des stetig steigenden Verkehrsaufkommens und der zunehmenden Technisierung. Die zweite Konsequenz: Der Feuerwehr mussten Geräte zur technischen Hilfeleistung bereitgestellt werden. Nicht zuletzt, da die Melsunger Feuerwehr in diesen Jahren die Hilfeleistung auf der Bundesautobahn 7 zugewiesen bekam. Das erste neue Fahrzeug (1970 beschafft) war jedoch für Brandeinsätze gedacht: Ein Ersatz für die Leiter aus den 20er Jahren war eine mechanische Drehleiter, mit der Personen aus bis zu 18 Metern Höhe gerettet werden konnten. Um die Leiter in Stellung zu bringen, war Handarbeit angesagt. Feuerwehrleute mussten an großen Kurbeln drehen, um die Leiter auf einem Radkranz zur Seite zu drehen images/kernstadt/chronik/chronik19.jpg
Feuerwehrstützpunkt Sandstraße mit Stadtbauamt und DRK
und aufzurichten. Weitere Fahrzeuge folgten: Ein Tanklöschfahrzeug, das erste Fahrzeug, das einen eingebauten 2500 Liter Löschwasserbehälter besaß, und ein Gerätefahrzeug (vom Land Hessen beschafft), um auslaufendes Heizöl oder Benzin auffangen zu können. Die Zahl der Bürger, die die Feuerwehr beschützte, wuchs stetig. Im Jahr 1963 hatte die Stadt 8.550 Einwohner. Zehn Jahre später waren es bereits 9.412. Hinzu kamen noch die durch die kommunale Gebietsreform eingegliederten Stadtteile. Wurden die Melsunger Brandschützer 1970 nur 11-mal zu Hilfe gerufen, so mussten sie 1978 bereits zu 55 Einsätzen ausrücken. Davon waren 28 Technische Hilfeleistungen und 27 Brände. Zwei Jahre später waren es bereits 40 Technische Hilfeleistungen und nur noch 24 Brände. Die ersten Funkmeldeempfänger wurden 1977 gekauft. Die so genannte "Stille Alarmierung", das Piepsen der Funkmelder in der Hosentasche der Feuerwehrleute, ersetzte dann zunehmend das laute Heulen der Feuersirenen. Im selben Jahr wurde auch der neue Feuerwehrstützpunkt "Am Sand" seiner Bestimmung übergeben. Das vorhandene Feuerwehrhaus samt Schlauchtrockenturm war mit einem Anbau, unter anderem für weitere Fahrzeuge, versehen worden: Ein Großtanklöschfahrzeug mit 5500 Liter fassendem Löschwasserbehälter, ein Rüstwagen zur Leistung von technischer Hilfe, zum Beispiel bei Verkehrsunfällen sowie ein Schlauchwagen mit 1000 Meter B-Schläuchen. Auch diese drei Fahrzeuge wurden, ebenso wie ein Flutlichtmast-Fahrzeug, aus Haushaltmitteln des Landes Hessen beschafft. 1980 wurde eine neue, hydraulisch betriebene Drehleiter in Dienst gestellt und 1984 ein Einsatzleitwagen. Für die Melsunger Wehr begann 1987 erneut eine neue Epoche Feuerwehrgeschichte: Die erste Feuerwehrfrau wird aus den Reihen der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung übernommen. Zwar waren schon Ende des Zweiten Weltkrieges Melsunger Frauen mit dem Brandschutz beauftragt. Doch damals war dies eine Notlösung. Nun sind die Frauen in der Einsatzabteilung ihren männlichen Kameraden gleichgestellt, sowohl in der Ausbildung, als auch in den Anforderungen, die bei Einsätzen an sie gestellt werden.
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Die Melsunger Feuerwehr im Jubiläumsjahr 1998

1998 hat der Verein Freiwillige Feuerwehr Melsungen 120 Mitglieder. Er gliedert sich in die Vereinsabteilung, die Jugendfeuerwehr, die Alters und Ehrenabteilung und natürlich in die Einsatzabteilung. 46 Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau sorgen mit einem teilweise modernen Fahrzeugpark dafür, dass die Bürger der Bartenwetzerstadt in Sicherheit leben können. Bei über 100 Einsätzen im Jahr garantieren sie schnelle und qualifizierte Hilfe bei Bränden, Unfällen und Gefahren für die Umwelt.
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Der neue Feuerwehrstützpunkt

Im Jahr 2013 wurde der neue Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen und der Werkfeuerwehr B.Braun fertiggestellt. Seit dem 02.09.2013 rücken beide Wehren von dem neuen Stützpunkt aus. Der Stützpunkt war das erste Gemeinschaftsprojekt dieser Art in Hessen.